Wohnungsknappheit in Liechtenstein?
Ausserdem mögen es die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner gross. Pro Kopf werden 55 m2 Wohnfläche beansprucht, was 18 Prozent mehr als der Durchschnitt in der Schweiz ist. Auch die sonstigen Ansprüche wie der Ausbaustandard der Küchen oder Sanitäranlagen sind hoch. Es kommen hohe Bodenpreise hinzu. All das schlägt sich auch in den Mieten nieder.
Die Leerstandsquote betrug in Liechtenstein im vergangenen Jahr 3,7 Prozent, was regional und international gesehen hoch ist. Dies deutet auf einen Angebotsüberschuss hin, von einer Wohnungsknappheit kann nicht gesprochen werden. Die internationale Vergleichbarkeit des Leerstands ist jedoch wegen einer unterschiedlichen Erhebung schwierig. Die Quote sagt auch nichts darüber aus, wie knapp das Angebot an begehrten Wohnungen ist. Der Leerstand ist zwar insgesamt hoch, er ist aber seit 2023 zurückgegangen, wobei derjenige für Zwei-Familien-Häuser zugelegt hat.
In Liechtenstein gibt es keine Statistik für Mietpreise. Die letzten öffentlichen Zahlen stammen aus dem Jahr 2020. Zukunft.li hat sich 2023 und jetzt im September 2026 damit beholfen, an Stichtagen die Immobilienportale nach Mietpreisen zu durchforsten. Dabei ergibt sich eine deutliche Erhöhung der Mieten für 4,5-Zimmer-Wohnungen ab 2024, diese Kategorie wird auch am meisten angeboten. Die Preise für 2,5-Zimmer-Wohnungen schwächten sich jedoch ab. Wohlgemerkt, dies ist eine Momentaufnahme.
Ob Wohnungen bezahlbar sind, hängt jedoch nicht nur von der Höhe der Mieten, sondern auch vom verfügbaren Einkommen ab. Laut einer Faustregel soll die Miete nicht höher als ein Drittel des verfügbaren Haushaltseinkommens sein. Wenn diese Latte angelegt wird, sieht es vor allem für Personen mit einem niedrigen Einkommen in einer 2,5-Zimmer-Wohnung eng aus. Für die anderen Einkommensniveaus, die sich Zukunft.li angeschaut hat, sieht es besser aus: Die Faustregel wird eingehalten.

Um Familien zu unterstützen, die wegen hoher Mieten in eine finanzielle Bredouille rutschen, gibt es in Liechtenstein Mietbeiträge. Hier lässt sich jedoch sehen, dass die Anzahl der Haushalte, die einen Mietbeitrag beantragen, über die vergangenen Jahre gesunken ist. Zudem ist auch der ausbezahlte Betrag zurückgegangen.
All diese Punkte verweisen darauf, dass es in Liechtenstein keine Wohnungsnot gibt. Dafür war der bisherige Wohnungsbau auch stetig genug. Der Wohnungsmarkt funktioniert. Preise sind grundsätzlich eine Folge von Marktmechanismen und stark beeinflusst durch Konsumentenwünsche.
Der Bedarf an kleineren Wohnungen steigt jedoch, wenn die Leute älter werden, wenn es zu einer Scheidung kommt, oder weil ein Paar noch nicht zusammenwohnen will. Diese gesellschaftlichen Veränderungen stellen in Liechtenstein eine grössere Herausforderung dar als eine Wohnungsknappheit per se – mit Folgen für die Bezahlbarkeit.
Eine Antwort darauf kann eine verdichtete Bauweise sein, die Boden spart, Kosten senkt und Wohnformen für unterschiedliche Bedürfnisse zulässt. Das Problem hierbei ist häufig die Akzeptanz der Nachbarn. Auch hier gilt es auf innovative Verfahren zum Interessensausgleich und marktwirtschaftliche Kräfte zu setzen.
Gerald Hosp
Bild: Neuland im Auftrag von Zukunft.li

