Liechtenstein ist normal. Leider!
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache: Laut Flyvbjerg werden 47,9 Prozent der weltweit untersuchten Grossprojekte im Rahmen des Budgets abgeschlossen, 8,8 Prozent innerhalb des Budgets und termingerecht und nur 0,5 Prozent innerhalb des Budgets, termingerecht und mit dem erwarteten Nutzen. Aus dieser Sicht sind die unendliche Geschichte vom (noch Nicht-)Neubau des Landesspitals oder auch die Saga um die Landesbibliothek nichts Besonders oder einzigartig. Liechtenstein ist normal. Man muss hinzufügen: leider.
Ende Februar soll ein Bericht der Stabsstelle für staatliche Liegenschaften (SSL) zum Planungsdebakel beim Landesspital veröffentlicht werden. Bereits zweimal gab es eine Volksabstimmung zum Neubau, bereits zweimal musste ein Projektstopp verhängt werden. Eine Aufarbeitung tut not. Flyvbjerg ist aber auch hier illusionslos: «Dementsprechend sind Fehlinformationen über Kosten, Zeitpläne, Nutzen und Risiken während der gesamten Projektentwicklung und Entscheidungsfindung die Regel.»
Einen Projektstopp zu verhängen, ist kein übliches Vorgehen, aber ein notwendiges. Denn häufig werden Grossprojekte weitergeführt, weil es einem Gesichtsverlust gleichkäme, wenn sie unterbrochen oder gestoppt werden würden. Wie kann man es nun besser machen, was haben die Verantwortlichen bei den 0,5 Prozent der Projekte getan, die erfolgreich waren? Als Erfolg wird oft der Bau des futuristischen Guggenheim-Museums in Bilbao genannt, das termingerecht und unterhalb des Budgets fertiggestellt worden war. Ein Erfolgsgeheimnis war die akribische Planung des Architekten Frank Gehry.
Der Ökonom Flyvbjerg folgert daraus: Denke (plane) langsam, handle schnell. Und: Grossprojekte sollen modular aufgebaut werden, bestehend aus einfachen Bausteinen. Damit bleibt man flexibel, auch wenn ein Grossprojekt wie ein Spital auf Jahrzehnte ausgerichtet ist. In Liechtenstein helfen im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern die Volksrechte, um für eine breite Zustimmung zu sorgen, aber auch um Fehlplanungen schneller sichtbar zu machen. Im Land besteht jedoch eine weitere, fast grössere Gefahr: Die offensichtlichen Fallen bei Grossprojekten könnten am einfachsten umgangen werden, wenn diese gar nicht erstellt werden. Grosse Würfe werden ohnehin häufig mit Misstrauen begegnet. Visionslosigkeit wird dann als Vernunft missverstanden.
Gerald Hosp
Der Text ist am 13. Februar 2026 in «Wirtschaft regional» erschienen.
Bild: landesspital.li

