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6. März 2026

Grafik des Monats: Freie Wahl oder strukturelle Falle?

Wertvolle Fachkräfte gehen dem Arbeitsmarkt verloren, wenn Frauen, die gut ausgebildet sind, nicht oder nur in geringem Pensum erwerbstätig sind. Häufig reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt des ersten Kindes. Dreimal so häufig wie Männer, wie eine Publikation vom Amt für Statistik* zeigt.

Die grosse Frage ist dabei: Was ist überhaupt das Problem, wenn Frauen ihr Pensum reduzieren und Männer nicht? Die Meinungen gehen auseinander. Eine Familienumfrage des Liechtenstein-Instituts aus dem Jahr 2018 lässt vermuten, dass es gar kein Problem gibt. Laut Umfrage wollen Frauen den Hauptteil der Betreuungsarbeit übernehmen. Männer sehen das ähnlich, dass dies Aufgabe der Frauen ist. Die Daten unterstützen dieses Bild, die grossen Beschäftigungsunterschiede nach der Geburt des ersten Kindes sind demnach nicht sehr überraschend.

Aus Sicht des Arbeitsmarkts gibt es aber sehr wohl ein Problem, denn diese Unterschiede machen den Arbeitsmarkt ineffizient. Vergeudetes Potenzial, Über- und Unterqualifikation sowie die geschlechtsspezifische Lohnlücke sind Resultate davon, die Geschlechterlücke in der Altersvorsorge ein (verwandtes) anderes.

Die Politik sieht sich gefordert. Die Regierung zielt darauf ab, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Eltern ermöglichen, frei zu entscheiden, wie sie ihre Arbeitsteilung gestalten. Dazu wurde kürzlich die vielversprechende Elternzeit eingeführt. Auch Männer können demnach bezahlte Betreuungszeit beanspruchen. Die Elternzeit ermöglicht die geforderte elterliche Betreuung im ersten Lebensjahr und hebelt biologische Unterschiede zumindest teilweise aus, die oft als Hürden für die Wahlfreiheit genannt werden. Frauen und Männer sind vor der Arbeitgeberin theoretisch neu gleich unvorhersehbar, wenn ein Kind kommt.  

Auch unbezahlte Arbeit ist übrigens Arbeit. Rechnet man ein, dass Frauen, die aufgrund der Kinderbetreuung zwar im bezahlten Arbeitsmarkt kürzer treten, insgesamt aber sehr wohl – unbezahlt - arbeiten, kommt man auch zum Schluss, dass die niedrigeren Pensen der Mütter gar nicht das Problem sind. Care-Arbeit stattdessen zu bezahlen, ist eine oft diskutierte Lösung, die es in der Politik aber bisher nicht weit geschafft hat. Sie würde zwar Löhne für die Betreuung herbeizaubern, die Geschlechterlücken aber nur dann schliessen, wenn diese Löhne auch den Markt-(Männer)-Löhnen entsprächen. Das ist nicht realistisch. In der Privatwirtschaft wird teilweise Betreuungszeit als relevante Berufserfahrung angerechnet, zumindest gibt es in der Schweiz solche Beispiele. Auch das ist ein Schritt in die erhoffte Richtung der Anerkennung für die geleistete und dennoch unbezahlte Arbeit.

Die Politik kommt an ihre Grenzen. Familienpolitische Instrumente wie die Elternzeit können an der Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit zwischen Müttern und Vätern nur begrenzt etwas ändern, weil auch gesellschaftliche und private Normen eine Rolle spielen. Politik kann solche Entwicklungen unterstützen, aber nicht erzwingen.

 

Theresa Goop

*Hier geht's zur Publikation.


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