Blankoscheck
Der Gedanke dahinter ist naheliegend, eine zukunftsfähige Personalstrategie ist zentral für das Bestehen im Markt. In unserer neuesten Studie zu staatlichen Beitragsleistungen kommen wir jedoch zum Schluss, dass Förderschecks aus wirtschaftsliberaler Perspektive wenig zielführend sind, auch wenn die Absichten gut sind.
Der Staat finanziert durch die Schecks Aufgaben, die Unternehmen ohnehin machen sollten: Die Bedeutung der Digitalisierung dürfte mittlerweile überall angekommen sein. Innovation sollte nicht nur im Ausfüllen von Formularen bestehen. Um Personalentwicklung kommt auch kein Unternehmen mehr herum. Eine Förderung wird gerne mitgenommen, vor allem wenn ein Unternehmen ohnehin vorhatte, an eine Exportmesse zu gehen.
Wieso entstehen dennoch solche Schecks im liberalen Liechtenstein? Das Gesetz der Wirtschaftsförderung ist zu wenig konkret. Es ist um einiges kürzer als der Gastkommentar, den Sie gerade lesen, und definiert den Grundsatz, die Wirtschaft zu fördern, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Das lässt viel Spielraum offen. Ein Ergebnis ist unter anderem die mittlerweile vierteilige Scheckpraxis.
Förderungen sollten nur vergeben werden, wenn die Ausgaben transparent und die Ziele klar und messbar sind. Eine Wirkungsmessung ist zwar bei allen vier Schecks schwierig. Die regelmässige Überprüfung der Schecks wird dadurch aber nicht weniger wichtig, sondern wichtiger. Es gilt auch zu beachten: Aus Fördergeldern soll so wenig Bürokratie wie nötig entstehen. Wie viele Schecks ausgegeben werden, ist per se noch kein Beleg für den Erfolg, und Fehlanreize können Preise verzerren. Die Honorare für Personalberatungen dürften steigen, wenn der Staat einen Teil der Kosten übernimmt. So trickst die «unsichtbare Hand» der Marktwirtschaft die Staatsgelder aus.
Die Wirtschaftsförderung sollte fokussierter sein. Nur das, was der Markt selbst nicht kann, soll gefördert werden. Dies ist zum Beispiel der gebündelte Zugang zu Expertise, Marktwissen und Netzwerken. Das kommt allen Unternehmen zugute, bindet die Ressourcen der Verwaltung aber nur wenig. Der Rest ist Aufgabe der KMU selbst. Das heisst, sie digitalisieren, innovieren und entwickeln ihr Personal selbst, loten ihre Exportstrategie eigenständig aus. Der Staat soll sich darauf konzentrieren, die richtigen Rahmenbedingungen für KMU zu schaffen. Nicht ohne Grund ist das ein Erfolgsrezept Liechtensteins.
Theresa Goop
Der Text ist am 18. Septemer 2026 in «Wirtschaft regional» erschienen.

