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    Briefing
13. März 2026

Alles dreht sich ums Erdöl

Ein Ereignis, das sehr selten ist, überraschend eintritt und alle erstaunt, wird als schwarzer Schwan bezeichnet. Ein weisser Schwan hingegen ist ein erwartetes und wenig überraschendes Ereignis. Der weisseste aller weissen Schwäne in der Energiewelt ist die Vorhersage eines Erdölschocks, wenn die Strasse von Hormuz, eine Hauptverkehrsader für die Versorgung der Welt mit Erdöl und Erdgas, aus militärischen oder sonstigen Gründen unpassierbar wird.

Dieses Schreckensszenario ist nun Wirklichkeit geworden, und die Welt ist – wieder einmal – wenig darauf vorbereitet. Der Erdölpreis vollführt eine Achterbahnfahrt, und westliche Industrieländer zapfen die strategische Reserve in einem bisher nicht bekannten Masse an. Nach einer ersten Phase der Gelassenheit an den Rohstoffmärkten macht sich Panik breit. Viele Kommentatoren schöpfen noch aus dem Umstand Zuversicht, dass Erdöl eine geringere Bedeutung für die Weltwirtschaft als zur Zeit der Erdölschocks in den 1970er Jahren hat.

Dies stimmt, die sogenannte Energieintensität, der Energieverbrauch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, hat in den westlichen Ländern und auch in Liechtenstein über die Jahrzehnte abgenommen. Gleichzeitig ist absolut gesehen der Durst nach Erdöl so gross wie noch nie, Erdöl ist immer noch die wichtigste Quelle für Primärenergie. Die fossilen Energieträger beherrschen trotz Energiewende weiterhin die Weltbühne.

Dabei gibt es zwei Thesen: Die einen sagen, die Energiewende erleide durch die Kriege in der Ukraine und in Iran einen Rückschlag, weil klar werde, dass die Energieversorgung derzeit ohne fossile Brennstoffe nicht funktioniere. Die anderen halten dagegen: Gerade jetzt sei es höchste Zeit, den Einsatz von erneuerbaren Energien zu forcieren, um von Petrostaaten wie Iran, Saudiarabien oder Russland unabhängig zu werden. Das ist aber ein falscher Gegensatz und zeigt nur, dass die Diskussion über die Energiewende nicht wesentlich vorangekommen ist.

Wunschdenken kann nicht die Zielkonflikte einer grossangelegten Wende eines Energiesystems zum Verschwinden bringen. Der heilige Gral der Energiepolitik ist vielmehr, Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit unter einen Hut zu bringen. In der Vergangenheit hat es zudem keine Energiewenden gegeben, vielmehr kam ein neuer Energieträger hinzu, der die bisher dominante Energiequelle ablöste. So wird derzeit absolut gesehen mehr Kohle konsumiert als im Kohlezeitalter.

Widersprüchliche Energiepolitik, Geopolitik und wirtschaftliche Zwänge lasten auf den Energiemärkten. Der Weisheit letzter Schluss der Politik ist meist, sprunghaft gestiegene Energiekosten kurzfristig auszugleichen, was die Inflation zusätzlich anheizt und den Anreiz unterminiert, Energie einzusparen. Der Staat hat dann eine weitere Lösung: Energieeffizienz fördern. Auch die Reaktion ist ein weisser Schwan.

 

Gerald Hosp

 

Der Text ist am 13. März 2026 in «Wirtschaft regional» erschienen.

Bild: Venti Views - Unsplash


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